Deep-Sky in Leo Minor - Shakhbazian 49 

Name R.A. (2000.0) Dec. Größe Helligkeit (vis)
Shakhbazian 49    10h 15,2min        +38° 55'     7 Galaxien < 1" auf 0,5' × 1,5'     

ca. 16m

 

Shakhbazian 49: Zeichnung mit einem 18"-Newton bei 276×

Shakhbazian 49 auf dem POSS (DSS)


Im Grenzgebiet LMi/UMa liegt die Galaxiengruppe um NGC 3158, in deren Nähe sich eine weitere, allerdings morphologisch und physikalisch völlig andersartige Ansammlung von Galaxien befindet: Shakhbazian 49, eine Kompakte Galaxiengruppe (Compact Galaxy Group = CGG). Viele dieser Objekte sind potentiell mit großen Instrumenten zugänglich und zudem visuelles Neuland. Der GSC zeigt beim Anklicken der Position den Himmelsausschnitt mit den Galaxien NGC 3159, 3158 usw. Etwa 20' nordöstlich liegt MGC+7-21-30. Zoomt man auf 15' Bildgröße, so sieht man Shkh 49 links unterhalb dieser schwachen Galaxie als einen dicken "nonstar" (10m,5), der von einem kleineren "nonstar" (13m,5) flankiert wird. Der helle Stern unmittelbar westlich hat laut GSC 13m,2. Computerprogramme stoßen hier an ihre Grenzen, denn abgesehen von groben Positionierungsfehlern werden viele kompakte oder stellare Galaxien entweder gar nicht oder nur als "nonstar" angezeigt. Dieser Fehler passierte beim Scannen der POSS-Platten: Stellare Galaxien konnten nicht von Sternen unterschieden werden. 

Die Kriterien für die Aufnahme einer Galaxiengruppe in die Liste von R. K. Shakhbazian unterscheiden sich in einigen Punkten von denen des Hickson-Katalogs [1,2]. Neben dem fundamentalen Isolationskriterium müssen die Gruppen mindestens fünf Mitglieder in sehr hoher Konzentration aufweisen. Darüber hinaus besitzen die Einzelobjekte im roten Spektralbereich (POSS-Rot) einen extrem hohen Grad an Kompaktheit, d. h. sie sind meist völlig stellar [3,4]. Auf dem blauen POSS treten sie stattdessen nur sehr schwach hervor, da die Galaxien durchweg rote Objekte sind, die im Visuellen deutlich heller sein müssen als im Blauen. Eben diese Tatsache macht sie für eine visuelle Beobachtung interessant. 

Zahlreiche CGGs findet man in Ursa Maior, also weit abseits der galaktischen Ebene. Das beweist, daß die Rötung der Galaxien nicht von der Extinktion durch Staub innerhalb der Milchstraße herrühren kann. Tatsächlich bewegen sich die Galaxien im gemeinsamen Gravitationsfeld und stehen in permanenter Wechselwirkung. Durch den ram pressure-Effekt wird das interstellare Gas aus den Galaxien quasi herausgetrieben. Interstellares Gas ist aber der Urstoff für die Entstehung heißer junger Sterne. Gerade diese leuchten sehr kräftig im Blauen, so wie man es vom Anblick normaler Galaxien her gewohnt ist [5]. Das Erscheinungsbild der CGGs wird erwiesenermaßen von alten roten Sternen dominiert. Die interstellare Materie wird beim ram pressure durch Stoßeffekte auf einige Millionen Grad aufgeheizt und macht sich im Röntgenbereich bemerkbar.

Die Entfernungen liegen > 500 Mpc, was für extrem leuchtkräftige Objekte spricht. Neben Shkh 49 gibt es noch vier weitere CGGs in Leo Minor, alle in der Größenordnung < 1' Durchmesser. Und eben hier liegt das Problem: Die Dimensionen der CGGs am Himmel sind bis auf ganz wenige Ausnahmen winzig - eben "kompakt". Bei solchen dürfte sich eine visuelle Trennung in Einzelobjekte als schwierig erweisen, dennoch sollten dichtere Gruppen als unaufgelöste Nebelschimmer zu verifizieren sein. Bei den wenigen CGGs, die unter Umständen in einzelne Galaxien auflösbar sind, müssen diese stark herausvergrößert werden.

Nach diesen Kriterien ausgewählt, kommen nur noch 23 der in [6] aufgelisteten 377 Gruppen für eine visuelle Beobachtung in Betracht - davon eine in LMi. Bislang lagen nur zwei positive visuelle CGG-Beobachtungen vor: Shkh 1 (UMa) von Tom Clark mit 36"-Newton [7], und die "leichteste" Gruppe Shkh 166 (UMi), beobachtet vom Autor mit 18". Shkh 49 besteht nun aus sieben winzigen Galaxien auf einer Fläche von 2' Länge. Die hellste Galaxie hat visuell ca. 16m und ist absolut stellar. Mit dem 18" konnte sie problemlos als schwacher Stern wahrgenommen werden. Mit 276facher Vergrößerung ließen sich zwei weitere potentielle Gruppenmitglieder auflösen, die jeweils nördlich und südlich des hellsten Objekts standen. Leider war das Seeing jn der Beobachtungsnacht mittelmäßig, so daß Vergrößerungen >300× nichts brachten.

[1] Hickson, P.: ApJ, 255, 382 (1982) 
[2] Veit, K.: NGC 4169-Gruppe, Objekte der Saison, interstellarum 7, S. 52 
[3] Robinson, L. B., Wampker, E. J.: ApJ 179, 135 (1973) 
[4] Kirshner, R. P., Malumuth, M. M.: ApJ, 236, 366 (1980) 
[5] Del Olmo, A. et al.: The Shakhbazian Compact Groups and Their Populations, ASP Conference Series, 70 (1995) 
[6] Stoll, D., Tiersch, H.: Catalogue of Shakhbazian Compact Groups of Galaxies, Vol. I-VII, Astrophysikalisches Institut Potsdam (1993-96) 
[7] O'Meara, S. J.: Sky & Telescope, Oct. 1994, 96