Deep-Sky-Objekte visuell beobachtet - "Barnards Galaxie" NGC 6822 

NGC 6822, "Barnards Galaxie", gezeichnet von Andreas Domenico nach visuellen Bebachtungen mit einem 457/1850-mm-Newton bei 75facher Vergrößerung. Detailbeobachtungen mit 205facher Vergrößerung und UHC-Filter. Beobachtungsort: Monte Corno, Italien (2800 m ü. NN). 


Die Milchstraße gehört zu einer Ansammlung von Galaxien, die man als Lokale Gruppe bezeichnet. Diese Galaxiengruppe enthält viele Objekte, die für visuelle Beobachter schwierig zu beobachten sind. Leider entziehen sich die meisten der nahen Galaxien gänzlich einer visuellen Sichtung, da sie oftmals sehr ausgedehnt und von geringer Flächenhelligkeit sind. Darüber hinaus befinden sich einige in der Nähe der galaktischen Ebene, so daß ihr Licht durch interstellare Absorption noch zusätzlich abgeschwächt wird. 

Obgleich sie am Rand der Sommermilchstraße liegt, zählt "Barnards Galaxie" NGC 6822 im Schützen nicht dazu. Sie ist sogar die visuell am leichtesten beobachtbare Zwerggalaxie der Lokalen Gruppe am Nordhimmel. In der Tat wurde sie 1884 von E. E. Barnard mit einem nur fünfzölligen Refraktor entdeckt. Bei rund 10' Durchmesser besitzt sie immerhin noch eine Gesamthelligkeit von 8.6 mag. NGC 6822 war das erste Objekt, das Edwin Hubble 1925 anhand von Messungen der Perioden und Leuchtkräfte von Cepheiden als eine extragalaktische Ansammlung von Sternen identifizierte. Ihre Entfernung beläuft sich nach heutigem Stand auf rund 1.7 Millionen Lichtjahre.

Die Morphologie der Galaxie ist unregelmäßig mit einer maximalen Ausdehnung von ca. 10.000 Lichtjahren. Auf sehr lange belichteten Aufnahmen ist sie in einzelne Sterne aufgelöst. Aber da die hellsten Sterne etwa 17. Größe sind, ist an eine visuelle Auflösung kaum zu denken. Dennoch zeigt sich ab etwa 8 Zoll Öffnung bei Beobachtung mit großer Austrittspupille ein kontrastarmer Nebel mit einigen vorgelagerten Sternen. Ich konnte mit einem 18-Zöller im Apenninen-Hochgebirge (Grenzgröße mit dem bloßen Auge 7.1 mag) eine Helligkeitsabstufung wahrnehmen: Der Zentralbereich erscheint als balkenförmige Verdichtung mit deutlicher Nord-Süd-Elongation, die von einem schwächeren Halo umgeben ist.

Bereits Hubble entdeckte zahlreiche Sternhaufen und helle Emissionsgebiete in "Barnards Galaxie". Sie bilden am nördlichen Rand eine Art Gasbalken. Die HII-Regionen sind durch einen geschwungenen Bogen aus neutralem Wasserstoffgas miteinander verbunden. Einige dieser Regionen sind visuell mit großen Geräten sichtbar. Sie sind zwar hell, jedoch mit ca. 15" Durchmesser ziemlich klein. Damit sie unter ausreichender Auflösung für das Auge sichtbar werden, sind höhere Vergrößerungen nötig. Mit Schmalbandfiltern (z. B. UHC) lassen sich die Emissionsgebiete vom nebelhaften Hintergrund (oder besser: Vordergrund) trennen, auch wenn die Galaxie selbst dann nicht mehr sichtbar ist. Man kann auch versuchen, die HII-Regionen mit "UHC-Blinken" zu lokalisieren (vgl. SuW 35, 660 [8-9/96]). Insgesamt waren drei HII-Regionen sichtbar. 

Zitat aus dem Beobachtungsprotokoll: "Der hellste Knoten (IC 1308) erscheint bei 205facher Vergrößerung als kompaktes Gebilde, knapp außerhalb der sichtbaren Fläche der Galaxie. Eine weitere Verdichtung befindet sich etwas weiter westlich. Beide können auch ohne Filter indirekt gesehen werden. Der dritte Fleck am westlichen Ende des Balkens ist größer, sehr viel kontrastärmer und reagiert nur schwach auf das Filter. Die von Photos her bekannte Rauchring-Form ist nicht zu erkennen".