Objekte der Saison - NGC 6384 

Name R.A. (2000.0) Dec. Con  Typ  Größe Helligkeit Flächenhell. U2000 
NGC 6384    17h 32,4min        +07° 04'     Oph SAB(r)bcI  6,4' × 4,2'   10,4 13,9/'

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NGC 6384: Zeichnung mit 18"-Newton bei 205×

 

NGC 6384: Quelle: NED


Es dürfte kaum überraschen, daß es im Sternbild Schlangenträger nur eine einzige hellere Galaxie gibt. Diese milchstraßennahe Himmelsregion ist ja auch kaum der ideale Ort, um nach extragalaktischen Objekten zu suchen. Schon deshalb ist die schöne Spiralgalaxie NGC 6384 etwas Besonderes. Sie steht knapp an der Grenze zum Randbereich der Milchstraße, etwa 3°,5 nordwestlich von
b Oph, einem 3m-Stern in unmittelbarer Nachbarschaft des lockeren Offenen Sternhaufens IC 4665. In der seIben Gegend - 3°,5 östlich von b Oph - ist auch Barnards Stern zu finden. Tiefe Aufnahmen von NGC 6384 - eine sehr schöne enthält [1] - zeigen eine SO-NW-orientierte Galaxie hinter sternenreichem Vordergrund. Dagegen weist die Beschreibung im NGC auf ein eher unscheinbares Objekt hin: pB, S, vIE; was soviel heißt wie: hell, klein im Durchmesser, von sehr geringer Elongation [2, 3]. NGC 6384 ist nach de Vaucouleurs eine MAS-Galaxie ("Multi Armed Spiral") [4]. Ihre Klassifikation nach de Vaucoulers (RMGC) kommt unserer eigenen Galaxis sowie NGC 3344 in Leo Minor sehr nahe (vgl. [5]). Tatsächlich zeigt auch NGC 6384 eine Ring-Balken-Kernstruktur mit mehreren fragmentarischen Spiralarmen. Im südlichsten der vier Hauptspiralarme sind einige flächenhelle HII-Regionen eingelagert [6].


Visuell ist die wenig bekannte Galaxie in einem 6-Zöller unter dunklem Himmel deutlich zu erkennen [7]. Die Spiralstruktur ist aber so leuchtschwach, daß sie nur in großen Amateurteleskopen sichtbar wird. So dokumentiert der amerikanische Beobachter M. S. Thomson die Spiralarme mit 16,5 Zoll Öffnung als "Arcs of light" am Rand der Galaxie [8]. Es ist dies eines der wenigen Fälle, in denen sich das Galaxien-Handbuch der Webb Society als brauchbare Beobachtungsrundlage erweist, denn mit 18 Zoll Öffnung unter Hochalpenhimmel kann die beschriebene Formgebung von NGC 6384 verifiziert werden. Ebenso lassen sich die zwei hellsten Knoten am Südrand der Galaxie bei hoher Vergröáerung andeutungsweise erkennen. Die [OIII]-Emission der HII-Regionen ist aber offensichtlich zu gering, um mit schmalbandigen Nebelfiltern eine nominale Kontraststeigerung erzielen zu können. 

Literatur

[1] Burnham jr, R.: Burnham's Celestial Handbook, Vol.2- Chamaeleon Through Orion, Dover Publications, New York (1978), 1265
[2] Dreyer, J. L. E.: A New Generel Catalogue, MemRAS 49 (1888)
[3] Sinnott, R.: NGC 2000.0, Sky Publishing, Cambridge (1988), 198
[4] Elmegreen, D. M., Elmegreen, B. G.: ApJ 314 (1987), 3
[5] Stoyan, R. C., el al.: NGC 3344, Deep-Sky in Leo Minor, interstellarum 10 (1997), 87
[6] Sandage, A., Bedke, J.: The Carnegie Atlas of Galaxies, Carnegie Institution, Washington D.C. (1996)
[7] MacRobert, A.: S&T June 1989, 604
[8] Jones, K. G. (ed.): Webb Society Deep-Sky Observer's Handb., Vol. 4: Galaxies, Enslow Publishers, Hillside (1981), 149
[9] de Vaucouleurs, G., et al.: Third Reference Catalogue of Bright Galaxies, Springer, New York (1991)