Objekte der Saison - M 104 

Name R.A. (2000.0) Dec. Con  Typ  Größe Helligkeit Flächenhell. U2000 
M 104    12h 40,0min        -11° 37'     Vir SA:a sp  7,1' × 4,4'   8,0 11,6/'

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M 104: Zeichnung mit 18"-Newton bei 205×

 

M 104: Quelle: The Messier Catalog

M 104 (NGC 4594), der berühmte Sombreronebel im Sternbild Jungfrau, wurde am 9. April 1781 von Mechain entdeckt. Messier beobachtete das Objekt am 11. Mai des selben Jahres und notierte: "Sehr schwacher Nebel". Herschel beschrieb M 104 folgendermaßen: "Ein schwaches, diffuses ovales Gebilde: Interessant ist die dunkle Zone oder Wolke, die den Kern und die Hauptmasse des Nebels von dem darüberliegenden Teil trennt" [1]. Was Herschel in seinem großen 48 Zoll-MetallspiegeI sah, ist das dunkle Staubband, das diese phänomenale Galaxie in Ost-West-Richtung durchschneidet. Diese Struktur macht M 104 zu einer der morphologisch interessantesten Galaxien überhaupt. Ihre Ebene ist nach [2] ca. 6° gegen die Sichtlinie geneigt, womit der Sombreronebel noch als Edge-On-Galaxie betrachtet werden kann (vgl. [3]). Der Bulge (die zentrale Verdickung) der Galaxie ist auf tiefen Aufnahmen im Verhältnis zur Ausdehnung der galaktischen Scheibe überproportional groß und nach außen sehr diffus. Zahlreiche Kugelsternhaufen konnten innerhalb des schwachen Halos identifiziert werden. Bedeutendstes Merkmal ist aber die Scheibe selbst, die aus vielen HII-Regionen, Stern- und Dunkelwolken besteht. Darüber erstreckt sich ein schmales Band absorbierender Materie, das den Außenrand der Scheibe begrenzt und sich auf den Kern und sogar auf den weit in den Raum hinausreichenden Halo projiziert [4].

Im Jahre 1912 wurde erstmals bei einem Spiralnebel der Effekt der Rotverschiebung entdeckt; es war M 104. Die damaligen Messungen ergaben, daß sich dieses Objekt mit einer Geschwindigkeit von rund 1000 Kilometern pro Sekunde von der Erde wegbewegen mußte. Damit konnte der Nebel nur schwerlich, wie man damals annahm, innerhalb unserer Galaxis liegen. Als Vesto Slipher bei 14 anderen Objekten ebenfalls Rotverschiebungen nachwies, entbrannte über die Natur der Spiralnebel eine der heftigsten Kontroversen in der Astronomie, die in einer leidenschaftlichen Debatte zwischen ihren berühmtesten Kontrahenten Harlow Shapley und Heber Curtis gipfelte. 

Der Sombreronebel steht an der Grenze zwischen den Sternbildern Jungfrau und Rabe, südlich der großen Galaxienhaufen. Tatsächlich steht die Galaxie, die auch eine schwache Radioquelle ist, mit einer Entfernung von 12,5 Mpc (Radialgeschwindigkeit nach [5]: +625 km/s) relativ zum Virgo-Haufen im Vordergrund. Nach Lindblad (1951) ist M 104 eine MAS-Galaxie ("Multiple Arm Spiral") mit fragmentarischen Spiralarmen.

Visuell erscheint der Sombreronebel dem fotografischen Abbild sehr ähnlich, wenn auch natürlich nur die helleren Partien der Galaxie erfaßbar sind. Das charakteristische Staubband und die "Zweiteilung" sind unter guten Bedingungen in Teleskopen ab ca. 12" Öffnung zumindest andeutungsweise sichtbar. Kleinere Öffnungen zeigen in der Regel nur eine stark elongierte Spindel mit einer scharfen Kante nach Süden [6]. M 104 demonstriert, daß der "Nachteil" der visuellen Beobachtung gegenüber der Fotografie nicht unbedingt ein solcher ist. Denn dort, wo Film und CCD häufig längst überbelichtet und schwache Strukturen in Kernnähe nicht mehr sichtbar sind, kann das Auge bei genügender Auflösung durchaus noch Details erkennen. Fotografen oder CCD-Techniker, die den kompakten Kern von M 104 einschließlich der lichtschwächeren Randzonen oder Objekte innerhalb des Halos abbilden wollen, müssen den nachträglichen Weg der Bildbearbeitung beschreiten (Unschärfemaskierung, "Gamma Scaling" etc.) [7]. Unbestritten bleibt die absolute Überlegenheit der Langzeitfotografie darin, schwächste Strukturen abzubilden, die visuell absolut unerreichbar bleiben; so auch den diffusen Halo um den Bulge. M 104 wird visuell auch im größten Teleskop immer nur eine "Miniaturausgabe" des von tiefen Aufnahmen her bekannten Sombreronebels sein. 

Literatur

[1] Meyer, W.: Sternhaufen und Nebel, Veröffentlichung der Wilhelm-Foerster-Sternwarte, Berlin (1975), Bd. II, 182
[2] de Vaucouleurs, G. : ApJ 127, 487 (1958)
[3] Stoyan, R. C. et al.: Album der Edge-On-Galaxien - Teil 1, interstellarum 12, 28 (1997)
[4] Sandage, A., Bedke, J.: The Carnegie Atlas of Galaxies, Carnegie Institution, Washington D.C. (1996)
[5] Burkhead, M.: A Photometric Study of M 104, AJ 91, 777 (1986)
[6] Clark, R. N.: Visual Astronomy of the Deep Sky, Sky Publishing, Cambridge Mass. (1990), 160
[7] Malin, D., Murdin, P.: Colours of the Stars, University of Cambridge, Cambridge UK. (1984)
[8] Tayler, R. J.: Galaxies: Structure and Evolution, Russak and Company, New York (1978)