Der Helixnebel - und ein bißchen mehr 

Der Helixnebel NGC 7293 im Wassermann ist ohne Zweifel der bekannteste Planetarische Nebel neben dem Ringnebel M57. Allerdings wird ihm seitens der visuellen Beobachtung weitaus weniger Beachtung geschenkt als seinem "kleinen Bruder" in der Leier. Der Helixnebel gilt als schwierig, da er sehr ausgedehnt und von geringer Flächenhelligkeit ist. Wegen seiner relativ niedrigen Lage (Dekl. -20° 48') ist er hierzulande nur für kurze Zeit am herbstlichen Nachthimmel zu sehen und die Beobachtung in Stadtnähe wird häufig durch Dunst am Horizont erschwert.

NGC 7293 ist mit 0,16 kpc Entfernung der nächstgelegene Planetarische Nebel und mit ca. 13 Bogenminuten Durchmesser auch der zweitgrößte am Himmel (nach PK 219+31.1 im Krebs mit über 16 Bogenminuten). Trotzdem ist er hell genug, um schon mit Ferngläsern als eine diffuse Erscheinung beobachtet zu werden. Es scheiden sich die Geister darüber, ab welcher Fernrohröffnung der dunkle Mittelteil des Nebels sichtbar wird; ebenso über die Wahrnehmung des 13m,6 hellen Zentralsterns. Ich konnte sowohl die typische Ringform als auch den Zentralstern mit einem 30×125-Großfernglas unter alpinen Bedingungen beobachten. Mit einem 8-Zöller bei großer Austrittspupille (AP) und Nebelfilter zeigt sich ein hufeisenförmiger Ring von ungleichmäßiger Helligkeitsverteilung.

Feine Einzelheiten im Nebel werden jedoch nur in einem großen Teleskop sichtbar: Die gegenüberliegenden Enden des Nebelringes sind geöffnet. Beiderseits befinden sich schmale Filamente, die in entgegengesetzte Richtungen verlaufen. An Nord- und Südrand der Gasschale befinden sich helle Verdichtungen. Dazu kommen unzählige kleinere Kondensationen in beiden Nebelhälften. Der Nebel verdankt seinen Namen der einzigartigen Form, die an eine Spiralfeder oder Wendeltreppe erinnert. Diese Struktur wird auf langebelichteten Fotografien deutlich. Beim Vergleich mit dem visuellen Anblick zeigen sich die Unterschiede der spektralen Intensitätsverteilung: Während der Zentralbereich der Nebelhülle auf kontrastreichen Rotfilter-Aufnahmen fast schwarz ist, scheint er visuell in großen Geräten von einem zarten Nebelhauch überzogen. Die Wendelstruktur ist visuell so gut wie unsichtbar.
Das Empfindlichkeitsmaximum des nachtsehenden Auges liegt bekanntlich im blaugrünen Spektralbereich. Das Licht, das wir visuell von der Nebelhülle erfassen, ist die Emission der [OIII]-Doppellinie, die relativ gleichmäßig über den gesamten PN verteilt ist. Die Helix ist aber nur im roten H
a-Bereich präsent; dieser ist für das adaptierte Auge nicht wahrnehmbar.

Meine aufregendste Beobachtung des Helixnebels erfolgte im Spätsommer 1996 während eines Beobachtungsaufenthalts in Italien im Hochgebirge der Abruzzen - in 2800 m Höhe auf 42° Nord und bei einer Grenzgröße von 7m,1 - NGC 7293 fast 30° über dem Horizont! Dabei konnte ich mit dem 18" eine verblüffende Entdeckung machen: Am westlichen Rand des Helixnebels steht ein hellerer Stern, der fast genau die Grenze des schwachen peripheren Westausläufers markiert. Knapp südlich dieses Sterns fiel mir ein länglicher Nebelstreifen auf, den ich an dieser Stelle vorher noch nie gesehen hatte. Er war bereits mit 5 mm AP (!) sichtbar, wobei er etwas klecksig wirkte. Der erste Verdacht: Eine helle Kondensation in der äußeren Nebelhülle. Das Verwirrspiel setzte sich jedoch bei den Detailbeobachtungen fort: Mit [OIII]-Filter war der "Knoten" auf einmal nicht mehr zu sehen! Nur ohne Filter und bei starker Vergrößerung konnte er deutlich und elongiert erkannt werden.

Zuhause verglich ich diese seltsame Beobachtung mit mehreren hochaufgelösten Fotos, einschließlich dem blauen POSS. Auf allen Aufnahmen ist dieser "Nebelspritzer" abgebildet. Er sieht dort wie eine kleine aber recht helle Edge-On-Galaxie aus. Wegen des PN-untypischen spektralen Verhaltens ist das sogar sehr wahrscheinlich. Aber - und hier ist das Problem - bisher war nirgends ein entsprechender Hinweis zu finden, daß sich eine Hintergrundgalaxie im Randbereich von NGC 7293 versteckt. Der GSC zeigt an der fraglichen Stelle nichts! Selbst die Unmengen von eingesehenen Publikationen über den Helix, recherchiert über das Astronomy Data System (ADS) im Internet, geben - mit Ausnahme einer kurzen Erwähnung in [1] - keinerlei Auskunft über das gesuchte Objekt. Von entsprechenden visuellen Beobachtungsberichten ganz zu schweigen.

Wenn ich eine visuelle Helligkeitsschätzung wagen sollte (unter Berücksichtigung der ungewohnt hohen Grenzgröße in der Nacht), würde ich zwischen 14m,5 und 15m tippen. Für eine kompakte Galaxie eigentlich gleißend hell - und trotzdem scheint sie in keinem der zahlreichen Kataloge verzeichnet zu sein. Wer hat diese anonyme Galaxie ebenfalls visuell beobachtet?

Literatur

[1] B. Skiff: CCD-Astronomy, Fall 1995, p. 39